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Halloween

Halloween stammt von den britischen Inseln und wurde im 19. Jahrhundert durch irische Emigranten an die amerikanische Ostküste transportiert. In den USA entwickelte sich der Brauch allmählich zur heute bekannten Form des Kürbis-Kults. Das deutsche Fest kann demnach als kommerzieller Kultur-Import aus Amerika bezeichnet werden. Bei seiner plötzlichen Ausbreitung Ende der 1990er Jahre kam es zu einer höchst ergiebigen Wechselwirkung zwischen Wirtschaft und Medienlandschaft, die dem herbstlichen Spuk eine enorme öffentliche Präsenz und breitflächige Aufnahme sicherte. Aufgrund diffuser Ursprungstheorien und der verworrenen Symbolik (z. B. der Kürbis "Jack'O Lantern") vermag sich Halloween zudem relativ mühelos in bestehende Kulturmuster einzufügen.

Es ist der 31. Oktober und das Reformationsfest wird gefeiert. Was aber hat es an diesem Tag mit den kostümierten Schauer-Gestalten auf sich, die hier und da um die Häuser ziehen und mit drohenden Stimmen "Süßes - sonst gibt's Saures" fordern? Warum sind schon seit Wochen alle Litfasssäulen mit Werbung für Gruselparties übersät und wieso grinst aus jedem zweiten Schaufenster eine Kürbisfratze? Der Grund liegt auf der Hand: Seit Ende der 1990er Jahre hält in unserem Land ein Kulturmuster Einzug, das bis dahin allenfalls hier stationierten US-Soldaten und Einwanderern bekannt war oder zumindest nur hinter verschlossenen Türen einschlägiger Irish-Pubs zelebriert wurde.

Kultur-Import

Bei Halloween handelt es sich um einen Kultur-Import aus Amerika - doch die Wurzeln dieses Brauches liegen tiefer. Bevor sich Halloween nach und nach zu dem heute bekannten US-Brauch entwickeln konnte, musste es im 19. Jahrhundert erst einmal als kulturelles Gepäck irischer Einwanderer die amerikanische Ostküste erreichen. Vielen Spekulationen zum Trotz handelt es sich bei diesem Fest jedoch nicht um ein Relikt grausamer Opferzeremonien der heidnischen Druiden. Zwar lassen sich theoretisch Bezüge zum keltischen Neujahrsfest Samhain herstellen, doch handelte es sich keinesfalls um die Verehrung eines mysteriösen Totengottes, sondern vielmehr um ein Erntefest zum Abschluss des Sommerhalbjahres.

All Hallows Eve(-ning)

Sicher ist, dass Halloween sprachlich von "All Hallows Eve(-ning)" abstammt, sich seine Bezeichnung auf Allerheiligen, also auf den christlichen Kalender bezieht. So lassen sich verschiedene Brauchelemente eher im Kontext des christlichen Totengedenkens interpretieren, und den irischen Kelten muss - sicherlich wider die journalistische Sensationslust - zunehmend das Urheberrecht für Halloween entzogen werden.

Halloween in Deutschland

Die Erfolgsgeschichte Halloweens beginnt in den 1980er Jahren. Mit der Veränderung der Medienlandschaft machen Hollywood-Filme und US-Fernsehserien im täglichen Fernsehangebot das Publikum zunehmend mit neuen Kulturmustern vertraut. Zum Ende der 90er Jahre wird mit Halloween eine Lücke im deutschen Konsumgütermarkt erkannt und genutzt. Nicht nur in Kaufhäusern gehen fortan Grusel-Accessoires über die Ladentheke, auch andere Wirtschaftsbereiche, unter anderem die Gastronomie, nutzen die neue Symbolik für ihre Werbung.

Kürbis-Kult

Damit war der wichtigste Grundstein für die Ausbreitung des Kürbis-Kults gelegt. Von nun an gingen die Medien und der Handel bei der Vermarktung des jungen Brauchs Hand in Hand. Das Phänomen Halloween, inzwischen als Produkt und Symbol in den sozialen Nahbereich der Bevölkerungsmehrheit transportiert, regte erneut die Presse zur verstärkten Thematisierung an, TV-Sender nehmen Halloween in ihr Programm auf und auch Bücher à la Harry Potter sorgen für eine Popularisierung des amerikanischen Brauchmusters. Damit schließt sich ein Kreislauf, der in bislang beispielloser Geschwindigkeit die Übernahme eines Kulturmusters ermöglicht. Der "Eroberungsfeldzug" von Halloween hat aber nicht zuletzt damit zu tun, dass dieses Fest zahlreiche, Anknüpfungspunkte an regionale Traditionen wie die Kostüm- und Feierkultur des Karnevals, bietet.

Autor: Lars Winterberg

Beleuchteter Kürbis
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Publikationsdatum dieser Seite: 2018-01-23